Die Merseburger Domfreiheit

Als Domfreiheit wurde der Bereich um einen Dom bezeichnet, in dem der Bischof und das Domkapitel die Gerichtsbarkeit besaßen. Damit war dieser Bereich frei von der Gerichtsbarkeit der umliegenden Stadt und wurde daher als „Freiheit“ bezeichnet.

Dieses mittelalterliche Recht der Unterordnung der Kleriker zu einem eigenen Gerichtsstand blieb auch nach der Reformation bestehen. Fortan nahmen der Administrator sowie das Domkapitel die Gerichtsbarkeit in der Domfreiheit wahr. In der Domfreiheit befanden sich die Kurien, also die Wohnhäuser der Domherren sowie der Bediensteten des bischöflichen Hofes bzw. der Administratoren.

Der Großteil der heute noch erhaltenen Kurien in der Merseburger Domfreiheit stammt aus dem Barock, als nach dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Kurien neu aufgebaut werden mussten. Die Merseburger Domfreiheit erstreckte sich in ihrer räumlichen Ausdehnung über Domplatz, Dompropstei, Grüne Straße und Burgstraße.

19. Jahrhundert bis heute

Zum Bereich der Domfreiheit gehört auch das Merseburger Domgymnasiums, das Ende des 19. Jahrhunderts aus der Verwaltung des Domkapitels in die des preußischen Staates überging.

Damit verbunden war der Neubau des heute noch bestehenden Gebäudes des Domgymnasiums. Zuvor war das Domgymnasium im Kreuzgang des Domes untergebracht. Im Zuge der Internationalen Baufachausstellung 2010 in Dessau ist die Belebung der Merseburger Domfreiheit ein wichtiges Teilprojekt. In den letzten Jahren konnten mit dem neuen Besucher- und Informationszentrum, der Sanierung des Kapitelhauses, der Eröffnung der Wille-Sitte-Galerie sowie der zukünftigen Ansiedlung des Europäischen Romanik-Zentrums wichtige Schritte zur Belebung der traditionsreichen Merseburger Domfreiheit unternommen werden.