Rudolf von Schwaben

Der Gegenkönig Heinrichs IV. genoss in Merseburg besondere Verehrung. Hier befindet sich nicht nur sein Grabmal, das erste plastische Grabmal des hohen Mittelalters, sondern auch eine mumifizierte Hand, die ihm zugeschrieben wird.

Rudolf von Rheinfelden (bei Basel) war in den 1020er Jahren geboren worden, 1057 wurde er Herzog von Schwaben, daher auch seine Namensbezeichnung Rudolf von Schwaben. In den Auseinandersetzungen König Heinrichs IV. mit Papst Gregor VII. (Investiturstreit) sowie der sächsischen Fürstenopposition wurde Herzog Rudolf 1077 in Forchheim zum Gegenkönig erhoben. In der Verquickung der beiden Konflikte wusste Rudolf von Schwaben auch die sächsischen Bischöfe, insbesondere den Merseburger Bischof Werner, hinter sich. Sein Kontrahent König Heinrich IV. hatte ihm 1079 das Herzogtum Schwaben entzogen, woraufhin es am 15. Oktober 1080 bei Hohenmölsen zur entscheidenden Schlacht kam. Dabei siegten zwar die Truppen des Gegenkönigs, doch wurde Rudolf von Schwaben die rechte Hand, die Schwurhand, abgeschlagen. Dies wertete die Gegenseite als Gottesurteil, zumal Herzog Rudolf wenig später in Merseburg an den Folgen seiner Verletzungen starb.

Der Merseburger Bischof Werner ließ Rudolf von Schwaben an seinem Bischofssitz im Chor des Doms, unter der Vierung, vor dem Hochaltar auf das Ehrenvollste bestatten. Auf dem Bildnis ist Rudolf mit allen königlichen Insignien zu sehen, die er tatsächlich niemals erlangt hatte. Das Grabmal war ursprünglich vergoldet und (wohl bis zu den Plünderungen im Schmalkaldischen Krieg) mit Edelsteinen oder Emaille ausgelegt. Erhalten hat sich dagegen eine lateinische Umschrift. Übersetzung: „König Rudolf, gestorben für das Gesetz der Väter und mit Recht zu beweinen, ist geborgen in diesem Grab. Seit Karl [dem Großen] war kein König ihm gleich, wenn er mit Rat und Tat regierte zur Friedenszeit. Als heiliges Opfer im Krieg, den Seinen zum Siege, stürzte er dahin. Der Tod ward ihm Leben: Für die Kirche ist er gefallen.“

Der für einen Laien ungewöhnliche Begräbnisort sowie die aufwendig gestaltete Grabplatte sind als eindeutige politische Demonstration zu deuten. Die Umschrift des Grabmals preist Rudolf von Schwaben als „heiliges Opfer des Krieges“ und vergleicht ihn mit Karl dem Großen. Seit dem 16. Jahrhundert ist bezeugt, dass die Grabplatte im Chor in die Liturgie der Domkirche einbezogen war. Hervorzuheben ist die für die damalige Zeit ungewöhnliche figürliche Darstellung eines weltlichen Herrschers. Die aufwendig gestaltete Grabplatte Rudolfs gilt als älteste europäische Bildnisgrabplatte aus Bronze.

Ein weiteres Zeugnis für die Verehrung Rudolfs von Schwaben ist die ihm zugeschriebene mumifizierte Hand, die seit dem 16. Jahrhundert in einem eigens dafür angefertigten Kästchen aufbewahrt wird. Zu sehen ist die Hand im Merseburger Kapitelhaus. Grabplatte und Hand Rudolfs von Schwaben bilden noch heute eindrucksvolle Zeugnisse für die Verehrung des Gegenkönigs in der bewegten Zeit des ausgehenden 11. Jahrhunderts.