Merseburg Cathedral

Unter den ottonischen Königen und Kaisern erhielt Merseburg überregionale Bedeutung. Im Jahre 968 gründete Otto I. (der Große) gemäß einem vor der Schlacht auf dem Lechfeld 955 geleisteten Gelübde das Bistum Merseburg, das dem Heiligen Laurentius geweiht wurde. In Anknüpfung an eine Johanniskirche entstand der Merseburger Dom St. Laurentius und Johannes der Täufer. 981 erfolgte die Auflösung des Bistums, 1004 wurde es durch Kaiser Heinrich II. neu begründet.

Der Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius gilt heute als einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands und war vor 1000 Jahren Lieblingsort des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars, Heinrich II. und Kunigunde. Kein geringerer als Bischof Thietmar von Merseburg, einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters, legte am 18. Mai 1015 den Grundstein zum Bau des Doms. Bei der Weihe am 1. Oktober 1021 war Kaiser Heinrich II. persönlich anwesend und ließ der Merseburger Kirche große Geschenke zu Teil werden. 

Vorhalle

Die Vorhalle stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und war ursprünglich eine Verlängerung des Langhauses. Noch heute erkennt man den Charakter der Basilika des alten Doms. Die Halle hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren, wie die besondere Gewölbekonstruktion –  ein sogenanntes Schwungrippengewölbe – aus dem 16. Jahrhundert. Ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Glasmalerei sind die noch aus der Zeit um 1260 stammenden sieben Medaillonscheiben im Zentrum der frühgotischen Dreifenstergruppe über dem Hauptportal. 

Langhaus

Das spätgotische Langhaus beeindruckt unter anderem mit seinem bemerkenswerten Netzgewölbe. In der Mitte des Langhauses mit Blick zurück auf das Hauptportal ist man von dem Anblick der monumentalen Ladegastorgel in diesem gotischen Ensemble überwältigt.

Ungewöhnlich sind die langen Bankreihen in den Seitenschiffen des Langhauses. Die Lehnen dieser Sitzreihen werden von einem Laubstab und einer Zinnenreihe bekrönt. Phantasiereich gestaltet sind auch die Seitenwangen des Gestühls im Westen mit den Hauptpatronen Johannes und Laurentius und dem Stifterpaar an den östlichen Seitenwangen. Heinrich und Kunigunde tragen jeweils eine Hälfte des Dommodells.

Außergewöhnlich ist auch die reich verzierte Kanzel aus Eichenholz. Die Kanzel ist um 1520 entstanden, der Schalldeckel erst zur Barockzeit. Den Kanzelkorb zieren Maria mit dem Kind, Laurentius mit dem Rost und die vier Evangelisten: Matthäus mit dem Engel, Johannes mit dem Adler, Markus mit dem Löwen und Lukas mit dem Stier. Lukas malt die Muttergottes, die ihm als Halbfigur in den Wolken erscheint. Der Überlieferung nach war er nicht nur der Verfasser des Lukasevangeliums. Der Evangelist wird auch als Maler und erster Ikonograph dargestellt. So soll Lukas als erster Künstler eigenhändig Maria porträtiert haben.

Bischofskapelle

Mitten im nördlichen Querhausflügel, der Bischofskapelle, liegt der Grabstein Thietmars von Merseburg. Thietmar aus dem Hause der Grafen von Walbeck war seit 1009 Merseburger Bischof. Er gilt als der wichtigste Chronist der ottonischen Zeit. Aus erster Hand informiert er über die Gründung des Bistums, seine Aufhebung durch Otto den II. und seine Wiederbegründung im Jahr 1004. Die Geschichte des ottonischen Herrscherhauses lag Thietmar besonders am Herzen. Ein eigenes Grabmal für den Bischof wurde aber vermutlich erst im 13. Jahrhundert errichtet. 

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Krypta

Die Krypta wurde unter Bischof Hunold errichtet und mit dem neuen Sanktuarium und den neuen Osttürmen am 29. Juni 1042 eingeweiht. An der gegenüberliegenden Seite der Krypta befand sich früher der Zugang, hier lässt sich das Relief einer segnenden Hand erkennen, so wurden die Eintretenden von der Hand Gottes gesegnet.

Grabmal des Königs Rudolf von Schwaben

Rudolf von Rheinfelden (bei Basel) wurde in den 1020er Jahren geboren, 1057 wurde er Herzog von Schwaben. In den Auseinandersetzungen König Heinrichs IV. mit Papst Gregor VII. (Investiturstreit) sowie der sächsischen Fürstenopposition wurde Herzog Rudolf 1077 in Forchheim zum Gegenkönig erhoben. In der Verquickung der beiden Konflikte wusste Rudolf von Schwaben auch die sächsischen Bischöfe, insbesondere den Merseburger Bischof Werner, hinter sich. Sein Kontrahent König Heinrich IV. hatte ihm 1079 das Herzogtum Schwaben entzogen, woraufhin es am 15. Oktober 1080 bei Hohenmölsen zur entscheidenden Schlacht kam. Dabei siegten zwar die Truppen des Gegenkönigs, doch wurde Rudolf von Schwaben die rechte Hand, die Schwurhand, abgeschlagen. Dies wertete die Gegenseite als Gottesurteil, zumal Herzog Rudolf wenig später in Merseburg an den Folgen seiner Verletzungen starb.

Der Merseburger Bischof Werner ließ Rudolf von Schwaben an seinem Bischofssitz im Chor des Doms, unter der Vierung, vor dem Hochaltar auf das Ehrenvollste bestatten. Auf dem Bildnis ist Rudolf mit allen königlichen Insignien zu sehen, die er tatsächlich niemals erlangt hatte.

Ein weiteres Zeugnis für die Verehrung Rudolfs von Schwaben ist die ihm zugeschriebene mumifizierte Hand, die seit dem 16. Jahrhundert in einem eigens dafür angefertigten Kästchen aufbewahrt wird. Zu sehen ist die Hand in der Schatzkammer in der Südklausur.

Kreuzgang

Der Kreuzgang des Merseburger Doms ist bereits um 1150 entstanden. Urkundlich erwähnt wurde er erstmals im ausgehenden 12. Jahrhundert, als Dompropst Berthold eine hier befindliche liturgische Lampe mit einer Stiftung bedachte. Ursprünglich wies der Kreuzgang noch einen vierten Flügel neben der Kirche auf. Im Zuge des Domneubaus wurde dieser Anfang des 16. Jahrhunderts entfernt.

Im Ost- und Südflügel über dem Kreuzgang ist seit 2008 das Europäische Romanik-Zentrum angesiedelt. In den Räumlichkeiten darunter, im südlichen Kreuzgang, befindet sich heute die Domschatzkammer mit dem Handschriften- und Zauberspruchgewölbe.

An der Westseite ragt die Wort-Gottes-Kapelle in den Kreuzhof hinein. Sie stammt noch aus romanischer Zeit und gehört damit zu den ältesten Teilen des Doms. Die Wort-Gottes-Kapelle ist heute ein Ort der Stille und Besinnung. 

Merseburger Domfreiheit

Als Domfreiheit wurde der Bereich um einen Dom bezeichnet, in dem der Bischof und das Domkapitel die Gerichtsbarkeit besaßen. Damit war dieser Bereich frei von der Gerichtsbarkeit der umliegenden Stadt und wurde daher als „Freiheit“ bezeichnet.

Dieses mittelalterliche Recht der Unterordnung der Kleriker zu einem eigenen Gerichtsstand blieb auch nach der Reformation bestehen. Fortan nahmen der Administrator sowie das Domkapitel die Gerichtsbarkeit in der Domfreiheit wahr. In der Domfreiheit befanden sich die Kurien, also die Wohnhäuser der Domherren sowie der Bediensteten des bischöflichen Hofes bzw. der Administratoren.

Der Großteil der heute noch erhaltenen Kurien in der Merseburger Domfreiheit stammt aus dem Barock, als nach dem Dreißigjährigen Krieg zahlreiche Kurien neu aufgebaut werden mussten. Die Merseburger Domfreiheit erstreckte sich in ihrer räumlichen Ausdehnung über Domplatz, Dompropstei, Grüne Straße und Burgstraße.

19. Jahrhundert bis heute

Zum Bereich der Domfreiheit gehört auch das Merseburger Domgymnasium, das Ende des 19. Jahrhunderts aus der Verwaltung des Domkapitels in die des preußischen Staates überging. Damit verbunden war der Neubau des heute noch bestehenden Gebäudes des Domgymnasiums. Zuvor war es über dem Westflügel des Kreuzganges untergebracht. Als das Gymnasium abgebrochen wurde, rettete man das Portal und baute es in das 1883 entstandene Küsterhaus ein.

Die Merseburger Domfreiheit konnte seit 2004 Schritt für Schritt wachgeküsst werden. Dom und Schloss erhielten ein gemeinsames Besucherzentrum, das Kapitelhaus wurde saniert, in der Neuen Kurie (Nova Curia) wurde eine Galerie ansässig. 

Künftig sollen der Brunnen auf dem Domplatz sowie die Martinikurie am Südende des Dombergs umfassend restauriert werden. 

Seit 2008 ist das Europäische Romanik Zentrum über dem Süd- und Ostflügel des Kreuzganges ansässig. Hier wird die Epoche der Romanik anschaulich vermittelt.

Die Merseburger Domfreiheit stellt ein geschlossen erhaltenes Ensemble in der
Merseburger Stadtlandschaft dar.