So ehrenvoll begraben …
Rudolf von Rheinfelden und die frühen figürlichen Bronzegrabplatten bis 1200
Tagung 16.–18. Oktober 2026 in Merseburg
Mit der künstlerisch herausragenden Bronzegrabplatte des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden (†1080) im Merseburger Dom ist in Sachsen-Anhalt eine der ältesten bekannten figürlichen Grabplatten des Mittelalters erhalten. Zentral im Chor der Kathedrale liegt diese in einem Stück gegossene Bronzeplastik über dem Grab des 1080 in der Schlacht von Hohenmölsen gestorbenen Herrschers. Ihre Datierung stützt sich zum einen auf historische Indizien und zum anderen auf kunsthistorische Überlegungen aufgrund stilistischer und motivischer Analysen. Die in der Forschung seit langem kurz nach dem Tod des Gegenkönigs angesetzte frühe Datierung ist jüngst mit neuen Argumenten hinterfragt worden, welche die Entstehung der Grabplatte in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts verlegen, genauer um 1120, in die Zeit des Übergangs zwischen dem letzten salischer Kaiser Heinrich V. und dem Sachsen Lothar III. von Supplinburg (Romedio Schmitz-Esser 2021). Zudem gibt es neue Überlegungen zum Standort und zur liturgischen Memoria am Grabmal Rudolfs von Rheinfelden im Chor des Merseburger Doms (Elisabeth Handle/Clemens Kosch 2006).
Das Europäische Romanik Zentrum (ERZ) mit seinem Sitz in Merseburg und das Institut für Kunstgeschichte, Archäologien und klassische Altertumswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg möchten diese aktuellen Forschungen zum Anlass nehmen, auf einer Tagung die Entstehung der frühen figürlichen Grabplatten vom späten 11. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts in einer interdisziplinären Perspektive neu zu diskutieren. Besonders in Mitteldeutschland haben sich etliche der frühesten figürlich gestalteten Grabmonumente der Zeit vor 1200 erhalten. Die Tagung möchte einen besonderen Fokus auf die frühen figürlichen Grabplatten aus Bronze legen, zu denen neben dem Grabmal Rudolfs von Rheinfelden die Grablegen für die Erzbischöfe Friedrich I. von Wettin (†1152) und Wichmann von Seeburg (†1192) im Dom zu Magdeburg gehören.
Das ganze Programm gibt es hier als pdf-Download.