Ladegastorgel

Sie macht den Merseburger Dom weltberühmt: die zwischen 1853 und 1855 von Friedrich Ladegast geschaffene Orgel. Hinter ihrem beeindruckenden barocken Prospekt verbergen sich 5687 Pfeifen. Damit gehört die Merseburger Ladegastorgel zu den größten und klangschönsten romantischen Orgeln in ganz Deutschland. 

Orgelklang

In der Reihe Orgelklang 12 finden regelmäßig an ausgewählten Samstagen um 12 Uhr Orgelkonzerte statt, die die Gäste des Merseburger Doms während ihres Besuchs erleben können. Die Programme werden jeweils von bedeutenden Organisten gestaltet. Mit einer gültigen Domeintrittskarte ist es möglich, 40 Minuten lang Orgelmusik und geistlichem Wort zu folgen. Hier finden Sie die Termine für 2024.

Merseburger Orgeltage

Konzerterlebnisse der ganz besonderen Art können Sie während der jährlich im September stattfindenden Merseburger Orgeltage genießen. Bedeutende Organisten und Ensembles aus der ganzen Welt sind dann im Merseburger Dom zu erleben.

Die 54. Merseburger Orgeltage finden vom 7. bis 15. September 2024 und widmen sich den Werken und Komponisten des Musiklandes Österreich. Das vollständige Programm finden Sie hier zum Download.

Führungsangebot: Klingender Dom(schatz)

Krönen Sie Ihren Besuch im Merseburger Dom mit einem besonderen Klangerlebnis – einem Orgelvorspiel auf der romantischen Ladegastorgel. Unseren „klingenden Domschatz“ können Sie für Ihre Gruppe ganz individuell buchen und der Königin der Instrumente im Rahmen einer Führung lauschen. Unser Besucherservice berät Sie gern.
Dauer: 90 min
Kosten: 250 € zzgl. Eintritt

Geschichte der Ladegastorgel

Ein erster Beleg für eine Orgel im Merseburger Dom findet sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts, als der von etwa 1280 bis 1299 urkundlich nachweisbare Domherr Conrad Hevestrit in seinem Vermächtnis 12 Mark „ad organa“ (für die Orgel) vermachte – damals eine enorme Summe, die durchaus der Errichtung einer neuen Orgel nach der Domerneuerung im 13. Jahrhundert gedient haben könnte. Von dieser Orgel, die gelegentlich in Urkunden erwähnt wird, ist nichts Näheres bekannt – weder über ihre Anlage und Disposition noch über ihren Aufstellungsort.

Notizen zu Orgelreparaturen im späten 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts lassen für diese Zeit eine Schwalbennestorgel vermuten, die sich im westlichen Teil des Domes an der nördlichen Hochwand, vielleicht am Nordwestturm, befand und zuletzt über Brust- und Oberwerk sowie Pedal und Rückpositiv verfügte.

In der Barockzeit diente der Merseburger Dom der im angrenzenden Schloss residierenden Nebenlinie der Dresdener Wettiner Sachsen-Merseburg als Hofkirche. Er verdankt dieser „Herzogszeit“ außer dem Altargerät wesentliche Teile seiner Ausstattung darunter auch eine Orgel, die nach einem ersten Neubau 1665/66 ab 1693 noch einmal vollständig erneuert wurde und dafür auch 1697 einen neuen Prospekt erhielt.

Damals in den spätgotischen Langhausraum eingefügt, beherrscht dieser prächtige Barockprospekt noch heute den Dom: Bis ins Gewölbe aufgetürmt, füllt er den Raum zwischen den Türmen, während die Empore mit dem Rückpositiv seitlich bis zu den westlichen Langhauspfeilern vorschwingt. Mit reich geschnitzten, solide vergoldeten Akanthuswangen, mit musizierenden Engeln und wappenhaltenden Putten geschmückt, ist diese beeindruckende Orgelwand im Wesentlichen in ihrer Form aus dem Ende des 17. Jahrhunderts bis heute erhalten geblieben.

Das Werk, wohl schon 1693 von Zacharias Theisner begonnen, konnte erst 1713 (!) abgenommen werden und wurde dann von zwei Abnahmekommissionen als unbrauchbar verworfen, nachdem es schon zwischenzeitlich 1698 ohne weitere Konsequenzen ein vernichtendes Gutachten des Halberstädter Orgelbauers Christoph Gloger gegeben hatte. So musste denn unmittelbar anschließend 1714 Johann Friedrich Wender das Werk zunächst technisch gründlich überarbeiten (u. a. komplett neue Windladen und sechs neue Bälge!), dabei von 41 auf 50 Stimmen „des ersten Prospectes unbeschadet“ erweitern und mit einem „besonderen Clavier für das Rückpositiv auf dem untern Chore“ versehen.

Nach der positiven Beurteilung dieser umfangreichen Rettungsaktion erhielt Wender 1715 einen Anschlussauftrag, das Ganze noch einmal zu „verbessern und vergrößern“: Es wurden „mehrere Stimmen theils verändert, theils neu hinzugebaut“ auf nunmehr 66 Register inklusive eines neuen Stahlspieles, dabei zusätzlich ein Brustwerk mit einem vierten, dem nunmehr untersten Manual, neu angelegt. Dennoch konnte Wender offenbar nicht die Qualität und Geschlossenheit eines eigenen Neubaus erreichen.

Die feierliche Orgelweihe erfolgte erst am 17. Oktober 1717. Für die lange Zeit seit der Abnahme sind Arbeiten am Prospekt vermutet worden. Das Monogramm des „Geigenherzogs“ Moritz Wilhelm (1712–31) am Hauptwerk weist auf diesen erweiternden Umbau hin.

Der langjährige Merseburger Domorganist Wilhelm Schneider (1824–1843) hielt denn auch seine Domorgel für ein „von Anfange sehr irregulair angelegtes Orgelwerk“ und war ebenso wie seine Nachfolger Carl August Ritter (1844–1847) und insbesondere David Hermann Engel (1847–1877), der zugleich „königlicher Orgelrevisor“ der preußischen Provinz Sachsen war, um eine nachhaltige Verbesserung bemüht.

Die Erneuerung des „Riesenwerks“ wurde auf Vorschlag von Engel ungewöhnlicher Weise einem „jungen, damals allerdings noch wenig bewährten Meister“ anvertraut, dessen Umbauvorschlag „bei außerordentlicher Billigkeit, zugleich der Umfassendste“ unter den eingereichten Angeboten war und der sich ihm vor allem durch „die außerordentliche Solidität und künstlerische Tüchtigkeit … bei dem Bau von zwei kleineren Landorgeln in hiesiger Gegend“ empfohlen hatte: Friedrich Ladegast (1818–1905) aus Hochhermsdorf (heute Zettlitz/Ortsteil Hermsdorf), der große mitteldeutsche Orgelbauer des 19. Jahrhunderts, den dieser Orgelbau berühmt machen sollte. 

Er hat 1853 bis 1855 in das alte Barockgehäuse ein vollständig neues Werk hineingebaut, das bei mechani­scher Traktur mit Schleifladen in 81 Registern nunmehr insgesamt fast 5700 Pfeifen und das alte Stahlspiel enthielt –seinerzeit eine der größten Orgeln in Deutschland.

Franz Liszt hat an dem Bau dieses orgel- und musikgeschichtlich bedeutsamen Instruments, der ersten romantischen Großorgel Mitteldeutschlands, lebhaften Anteil genommen und sich durch sie zu seinen bedeutendsten Orgelwerken anregen lassen. Die Orgelweihe am 26. September 1855 stieß auf ein begeistertes Echo. Neben den Kompositionen von Liszt selbst ist vor allem die an dieser Orgel 1857 uraufgeführte große Sonate seines jung verstorbenen Schülers Julius Reubke zu nennen. Durch Ladegast und Liszt in besonderer Weise ein authentisches Instrument für die romantische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, blieb die Merseburger Domorgel in ihrer großartigen Klangvielfalt ein Konzertinstrument von höchstem Rang, auch für die ältere Orgelliteratur. 

Doch seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts haben bei gründlichen Reparaturen massive Eingriffe ohne ein klares eigenes Klangkonzept die in sich geschlossene Ladegastsche Disposition durch den willkürlichen Ersatz zahlreicher Register empfindlich gestört. Hinzu kamen gravierende Verschleißerscheinungen an den Windladen und der Traktur. Auch die Windversorgung war problematisch geworden. Andererseits hatten die von dem langjährigen Domorganisten Hans-Günther Wauer (1951 – 96) begründeten „Merseburger Orgeltage“ der Domorgel zu einer vorher nicht gekannten breiten Zuhörerschaft verholfen. 

1994 beschäftigte sich auf Anregung von Michael Schönheit, unter dessen Vorsitz der Freundeskreis Musik und Denkmalpflege in Kirchen des Merseburger Landes e. V. in diesem Jahr die Trägerschaft für diese traditionsreichen Orgeltage übernommen hatte, ein Symposium von Orgelfachleuten mit dem Zustand der Orgel und der Zielstellung der notwendig gewordenen grundlegenden Instandsetzung und Restaurierung.

In einer umfassenden Erneuerung von 2001 bis 2004 haben in einem Gemeinschaftsprojekt die Firmen Eule, Scheffler und Wegscheider, wie von diesem Symposium empfohlen, über die dringend notwendigen technischen Instandsetzungsarbeiten hinaus die Orgel in der Originalintonation wiederhergestellt und ihr so weit wie möglich das Ladegastsche Klangbild von 1866 zurückgegeben. Initiator und verantwortlicher Träger der Restaurierung war in Abstimmung mit den Vereinigten Domstiftern der Freundeskreis Musik und Denkmalpflege unter seinem Vorsitzenden Michael Schönheit.

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